ROUNDUP: Maschinen- und Anlagenbauer Dürr spürt Corona-Krise - Aktie im Minus

BIETIGHEIM-BISSINGEN (dpa-AFX) - Der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr hat die Folgen der Corona-Krise im ersten Quartal deutlich zu spüren bekommen. Der Auftragseingang knickte um fast ein Viertel auf 838,3 Millionen Euro ein, wie der MDax-Konzern am Donnerstag in Bietigheim-Bissingen mitteilte. Während der Umsatz um rund 11 Prozent auf 842,6 Millionen Euro sank, sackte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um über die Hälfte auf rund 23 Millionen Euro ab. Der Umsatz lag damit leicht über, das Ebit aber deutlich unter den durchschnittlichen Analystenschätzungen. Unter dem Strich brach der Überschuss sogar um 60 Prozent auf 13,2 Millionen Euro ein.

Am Kapitalmarkt kamen die Nachrichten schlecht an. Die Dürr-Aktie lag am Vormittag rund 5 Prozent im Minus. Im laufenden Jahr haben die Papiere im Zuge des Corona-Crashes und der Marktturbulenzen bereits über 40 Prozent an Wert verloren. In den zurückliegenden drei Jahren sieht es mit einem Minus von fast zwei Dritteln noch erheblich schlechter aus.

Dürr geht davon aus, dass die Krise im laufenden zweiten Quartal ihren Höhepunkt erreicht, und rechnet mit deutlichen Rückgängen bei Auftragseingang und Umsatz. Auch ein Verlust und negativer operativer Mittelfluss (Cashflow) seien nicht auszuschließen, hieß es weiter. Für die zweite Jahreshälfte setzt Dürr auf eine langsame Erholung. Bereits Ende März hatte das Unternehmen seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr wegen der Virus-Krise ausgesetzt. Ein konkreter Ausblick könne derzeit in Anbetracht der "gesamtwirtschaftlichen Ausnahmesituation" nicht gegeben werden, so der Konzern.

Der Geschäftsverlauf im ersten Jahresviertel sei vor allem durch den Lockdown in China negativ beeinträchtigt worden, teilte Dürr weiter mit. Der Auftragseingang sei auch deshalb gesunken, da ein für das erste Quartal vereinbarter Großauftrag aus der Automobilindustrie verschoben worden sei. Er werde nach heutiger Einschätzung aber noch in diesem Jahr eingehen, hieß es.

Analyst William Turner von der US-Investmentbank Goldman Sachs verdeutlichte, dass Dürr ein herausforderndes zweites Quartal ins Haus stehe. Positiv hob er hervor, dass der freie Barmittelfluss sich im Auftaktquartal verglichen mit dem Vorjahr deutlich verbessert habe.

Der Konzern verwies darauf, dass er mit seinen freien Mitteln in Höhe von 1,7 Milliarden Euro gut für die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie gerüstet sei. So habe die Gesamtliquidität Ende März bei 857 Millionen Euro gelegen. Hinzu kämen freie Kreditlinien in Höhe von 850 Millionen Euro für das operative Geschäft und Refinanzierungszwecke. "Wir sind robust aufgestellt und verfügen über genügend Mittel, um in der Krise sicher zu bestehen", befand Konzernchef Ralf Dieter.

Der Manager betonte, dass die Standorte in China nach dem Lockdown ihre Produktion frühzeitig wieder aufgenommen und das Vor-Corona-Niveau erreicht hätten. Auch in anderen Ländern kehrten die Standorte zu den gewohnten Geschäftsprozessen zurück. Wegen der Krise mussten Standorte in Brasilien, Indien und den USA vorübergehend schließen. Dagegen konnten die deutschen und polnischen Werke laut Mitteilung unterbrechungsfrei produzieren.

Umsatz, Auftragseingang und Ergebnis waren bei Dürr im ersten Quartal in allen Segmenten rückläufig. Besonders das wichtige Autogeschäft litt unter der Krise. Dürr baut unter anderem Lackieranlagen und Endmontagesysteme für die Autoindustrie sowie Maschinen und Anlagen für die Holzbearbeitung unter der Marke Homag.

Dürr hat auf die Pandemie mit einem Paket aus Sparmaßnahmen reagiert. Unter anderem wurden Arbeitszeiten verkürzt sowie Ausgaben und Investitionen zurückgefahren. Der Konzern beschäftigt laut eigenen Angaben weltweit rund 16 560 Mitarbeiter./eas/men/fba

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